Ich bin demokratisch weil,

Ich gerne mit Rainer Brüderle Champagner auf Obdachlose spitze.

Es voll toll ist das es uns hier so gut geht auf Kosten des Restes der Welt.

Ich ein weißes verwöhntes Bonzenkind bin und die FDP die einzige Partei ist die sich richtig für mich einsetzt.

Die FDP es verhindern kann das ihr Vorsitzender die Möglichkeit zu Heirat hat.

Ich zu faul bin mir öfters als alle 4 Jahre Gedanken zu machen was ich von Politik halte.

Deutschland auch demokratisch und legal seine Hegemonialstellung in der EU ausbauen kann.

Man auch ganz gut Karriere machen kann mit dieser Demokratie.

Ich in Sozialkunde 12 Punkte hatte.

Ich gerne andere Menschen als Extremisten hinstelle um mich dann als Mitte wohlzufühlen.

Mir das was sich historisch als „Mitte der Gesellschaft“ etabliert hat reicht, wer brauchtVeränderung?

Ein Staat eine Verfassung, Demokraten und eine gute Grenzpolizei braucht.

Die Schwarz-Rot-Gelbe Fahne sich schon beim Fußball etabliert hat.

Demokratie das Ende der Geschichte ist, und ich auch keine Lust habe sie weiterzuerzählen.

Demokratie hier in Deutschland wichtig ist, jedenfalls wichtiger als in Bahrain.

Ich mittelmäßig wie ich bin, in der Mitte am besten aufgehoben bin.

Ich ein Hotel besitze.

Weil ich zwar keinen richtigen Doktortitel habe, aber das wird schon keiner merken.

Weil die Deutschen immer zielsicher das richtige gewählt haben, oder?

Demokratie wichtig ist, fast so wichtig wie die Wirtschaft (nicht die Wirtschaft wo der Brüderle sitzt).

Unsere Bundeskanzlerin manchmal aussieht wie mein Mops.

Panzerexporte unsere heimische Wirtschaft und somit auch unsere Demokratie stützen , oder so.

Gewalt nur von der Polizei ausgehen sollte, dafür aber richtig!

Mir nicht viel anderes einfällt.

Eine Geschichte aus Deutschland

Dies ist eine wahre Geschichte aus Deutschland um genau zu sein aus Dessau, einer kleinen Stadt im Osten. Sie handelt von zwei Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben mussten und somit repräsentativ für so viele Unerwünschte stehen, die von der Gesellschaft ignoriert und von der Politik unsichtbar gemacht werden.
Die Geschichten von Mario Bichtemann und die von Oury Jalloh haben mehrere Parallelen. So wissen wir relativ wenig über die Biographien dieser beiden Menschen, denen eine wohlhabende weiße Mehrheitsgesellschaft wenig Beachtung schenkte. Beide waren in ihrer Existenz bedroht. Über Mario ist noch weniger bekannt als über Oury. Er hatte keinen festen Wohnsitz und fiel somit aus dem sozialen Netz der Gesellschaft heraus. Es gibt für ihn weder eine richtige Erinnerungskultur,; wir wissen nicht, wie er als Mensch gewesen ist. Oury kam aus Guinea nach Deutschland. Vorher war er schon aufgrund des von 1991 bis 2002 anhaltenden Bürgerkriegs aus Sierra Leone nach Guinea geflüchtet; seine Familie wurde auf der Flucht getrennt. Da er ein guter Schüler gewesen sein soll, sparte sein Vater Geld, um ihn ins heile Europa zu schicken, damit er später helfen könne, die Familie zu ernähren. So kam Oury auf unbekannten, aber sicherlich anstrengenden und gefährlichen Wegen nach Deutschland. Dort stellte er einen Antrag auf Asyl, der aber abgelehnt wurde. Sowohl Oury als auch Mario waren arm und von der Gesellschaft unerwünscht. Die wohlauffälligste Parallele dieser beiden Lebensgeschichten ist aber die Tatsache, dass sie beide im selben Dessauer Polizeirevier ums Leben kamen und die Leichname Knochenbrüche aufwiesen, die vor den Fest/- Ingewahrsamnahmen noch nicht vorhanden waren: Oury Jalloh hatte eine gebrochene Nase und Mario Bichtemann einen Schädelbasisbruch.
Fangen wir nun aber ganz von vorne an. Es ist der 7. Januar 2005, Oury Jalloh geht gegen 8 Uhr morgens durch die Turmstraße. Er hat in seiner Tasche ein Papier das ihn als abgelehnten aber noch geduldeten Asylbewerber ausweist. Mit anderen Worten: Er würde vielleicht noch ein paar Wochen in Deutschland bleiben können und danach gegen seinen Willen und mit Zwang nach Sierra Leone abgeschoben werden. Er machte sich Sorgen um seine Zukunft sowie um die seiner Familie. Bei der Blutabnahme stellt die Polizei später einen Alkoholwert von fast 3 Promille sowie Spuren von THC und Kokain fest. Er war verzweifelt. Er wäre trotz der für Flüchtlinge omnipräsenten Schikane durch die Polizei, der akuten Bedrohung durch Neonazis und seinem Arbeitsverbot gerne in Deutschland geblieben. Seine Familie in Guinea war auf sein monatliches Geld angewiesen, das er ihnen zukommen ließ. Im Jahr 2000 wurde schon der um 1980 als Vertragsarbeiter in die DDR gekommene Alberto Adriano im Dessauer Stadtpark von drei alkoholisierten Neonazis zu Tode geprügelt. Ob Oury davon wusste, ist nicht sicher, aber es ist davon auszugehen, dass er nicht zum ersten Mal Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus der Bevölkerung und der Polizei „post-Lichtenhagen Deutschlands“ hatte. Die Stimmung in Dessau ist alles andere als offen gegenüber den paar hundert Flüchtlingen, die im Stadtkreis wohnen. Er traf auf der Staße einige Frauen, die im Auftrag der Stadt die Straßen säuberten; er fragte ob er mit ihren Handys telefonieren könnte. Die Frauen riefen die Polizei, offensichtlich fühlten sie sich von Oury in seinem alkoholisierten Zustand bedroht. Als die Polizisten eintrafen, wollten sie Ourys Identität feststellen. Da auf seinem Duldungspapier das Geburtsdatum unlesbar war und Oury sich den Beamten widersetzte, nahmen diese ihn kurzerhand fest und brachten ihn auf das Polizeirevier., Dort hatte schon 2002 Mario Bichtemann einen Schädelbasisbruch erlitten und den Tod gefunden. Die Ermittlungen waren ohne Verfahren eingestellt worden.
Was im Polizeirevier passierte, ist unklar. Wir werden einen Versuch zur Rekonstruktion unternehmen, indem wir uns auf verschiedene Indizien und Aussagen der Polizei und Feuerwehr beziehen. Fangen wir einmal mit sicheren Fakten an. Oury Jalloh wurde Blut abgenommen und der Polizeiarzt stellte „Gewahrsamstauglichkeit“ fest, Oury hatte zu diesem Zeitpunkt 2,68 Promille im Blut und 3,42 Promille im Urin. Nun reagiert zwar jeder Mensch anders auf Alkohol, dennoch ist fraglich, wieso hier eine „Gewahrsamstauglichkeit“ attestiert wurde. Monate später tauchte ein aufgezeichnetes Telefonat zwischen dem Dienstgruppenleiter Andreas S. und dem besagten Arzt Dr. B. auf. In diesem Gespräch äußert der Arzt, nachdem S. ihm mitgeteilt hat, es handele sich um einen „Schwarzafrikaner“, seinen Unmut („Ach du Scheiße“) und beschwert sich, dass er „bei den Dunkelhäutigen“ keine Venen finden könne. Daraufhin empfiehlt S. ihm, „doch ne Spezialkanüle“ mitzunehmen. Lässt sich hier eine rassistische Einstellung der Polizei und der ihr zuarbeitenden Organe feststellen? Es ist schwierig über die Einstellung von zwei Individuen zu spekulieren, auf die wir bisher nur einen kurzen Einblick hatten. Was sich aber feststellen lässt, ist die Fahrlässigkeit des Arztes einen schwer Betrunkenen in Gewahrsam nehmen zu lassen, der auf einer Krankenstation besser aufgehoben gewesen wäre. Oury Jalloh wird durchsucht und danach in seiner Zelle fixiert, d.h. an Armen und Beinen auf einer feuerfesten Matratze am Boden gefesselt und mit Handschellen an Einlassungen in der Wand und im Boden festgekettet. Die Polizisten rechtfertigen die Maßnahme damit, dass er versucht habe, sich selbst zu verletzen. Was die nächsten Stunden passiert, ist nicht sicher. Zeugen, die erzählen könnten, was in dieser Zeit passiert ist befinden sich nur in den Reihen der Polizei, doch dazu später mehr.
Gegen 12 Uhr mittags bricht in der gefliesten Zelle, in der sich außer der Matratze, auf der Oury Jalloh fixiert war, nichts befand, ein Feuer aus. Ungefähr zwanzig Minuten später trifft die Feuerwehr ein. Da sie keine genauen Informationen über die Situation vor Ort haben, durchsuchen die Feuerwehrleute erst den an die Zelle angrenzenden Flur, der mit schwarzem Rauch gefüllt ist,. „Wir hatten nicht erwartet, dass die Person direkt am Fußboden fixiert war … das hatten wir eigentlich nicht so erwartet“ gab Lutz Kuhnhold von der Feuerweh später in einem Interview an. Weiter schilderte er das Auffinden von Jalloh wie folgt: “… und dort haben wir dann, wie gesagt, ein relativ kleines Feuer gesehen, in Bodennähe, und als wir dann, ich sag mal so, zwanzig Zentimeter vor dem eigentlichen Feuer waren, hat man dann in diesem Feuerschein dann Körperteile entdeckt. So dass wir dann gesehen haben, dass der eigentliche Brand nicht wie ursprünglich gedacht irgendwelche Decken oder Matratzen waren, die da gebrannt haben, sondern eigentlich die Person selber“.
Oury Jalloh war verbrannt, 26 Monate nachdem Mario Bichtemann hier seinen Tod fand. Hierüber ist nicht viel bekannt. Sicher ist das Bichtemann 15 Stunden nach seiner Inhaftierung an den Folgen eines Schädelbruchs verstarb. Es gab wohl drei Kontrollgänge der Beamten in dieser Zeit. Beim ersten Kontrollgang fanden die Beamten Mario Bichtemann, nach eigenen Angaben, unverletzt vor. Später, während ihres zweiten Kontrollgangs habe Bichtemann auf dem Boden gelegen. Der von der Polizei alarmierte Arzt lehnte am Telefon eine Untersuchung ab und überließ Mario seinem Schicksal. Hierbei handelt es sich um denselben Arzt (Dr. B) der auch Oury Jalloh Gewahrsamstauglichkeit attestierte(!). Auf ihrem dritten und letzten Kontrollgang fanden die Polizei Bichtemann gegen 12:20 in äußerst desolatem Zustand vor, ihm lief Blut aus einem Ohr, er war nicht mehr zu retten. Was sich hier abspielte wird wahrscheinlich niemals aufgeklärt werden. Was spielte sich zwischen den Kontrollgängen der Polizisten ab? Wieso verweigerte der Arzt eine Untersuchung? Sicher ist nur dass Marios Leben für viele nicht als gleichwertig erschien, anders lässt sich sein Tod, in einer Zelle mit Gegensprechanlage die zumindest eine akustische Verbindung in das Büro von Andreas S. sicherstellt, nicht erklären. Die Polizei hielt dicht. Um seinen Dienstgruppenleiter Andreas S. „nicht doppelt belastet zu sehen“ versuchte der Revierleiter Kohl, einen Monat nach Ourys Tod, die Anklage wegen Mario Bichtemanns Tod vom Tische zu bekommen, damit S. sich auf den Fall Jalloh konzentrieren könne . Er verfasste außerdem ein Führungszeugnis für S. in dem er ihn in den höchsten Tönen lobte, obwohl die Polizeiinternen Ermittlungen im Falle Bichtemanns noch gar nicht abgeschlossen waren. Kohl bewertete Andreas S. mit der Note „Gut“. Nun war S. verhalten im Fall Bichtemann alles andere als gut. So wurden beispielsweise die halbstündigen Kontrollgänge, nachweislich nicht eingehalten, die in einer solchen Situation (Bichtemann war stark alkoholisiert) notwendig sind. Das Verfahren wurde stillschweigend und ohne Disziplinarmaßnahmen eingestellt. Wäre dies auch der Fall gewesen, wenn es eine auf Informationen pochende Öffentlichkeit gegeben hätte? Sehr wenige wussten überhaupt von Bichtemanns Tod und eine Initiative wie bei Oury Jalloh gab es nicht. Doch gerade so eine Organisationsform ist wichtig um Einfluss auf das Geschehen zu erlangen, um die Beamten in der Mauer des Schweigens zumindest in Bedrängnis zu bringen.
In den Tagen nach Oury Jallohs Tod gibt die Polizei nur bruchstückhafte Informationen an die Öffentlichkeit. Nachfragen der Freunde Ourys und ihrer Helfer werden bei der Polizei nicht beantwortet. Später geht die Polizei mit ihrer Version der Geschichte an die Öffentlichkeit. Sie veröffentlicht ein Video, in dem gezeigt werden soll, wie Oury – in gefesseltem Zustand – ein Feuerzeug aus der Tasche gezogen und eine feuerfeste Matratze angezündet haben soll. Die ohnehin schon zweifelhafte Plausibilität dieser Demonstration wird obendrein noch von den Umständen erschüttert, das Oury stark betrunken war und vor allem schon vorher von dem Beamten Hans-Ulrich M. durchsucht worden war, der dann allerdings später zu Protokoll gab, das Feuerzeug vielleicht übersehen zu haben. Eine weitere zweifelhafte Komponente dieser Geschichte wird von Regina Götz, der Anwältin der Hinterbliebenen und Freunden Ourys, hervorgehoben. Nämlich dass eine stark alkoholisierte Person an Händen und Füßen fixiert wurde, ohne dass eine visuelle Überwachung stattfand. Denn es ist bei knapp 3 Promille nicht auszuschließen, dass Oury sich hätte erbrechen und – fixiert, wie er war – an seinem eigenen Erbrochenen hätte ersticken können. Ein kurz nach dem Brand aufgezeichnetes und später veröffentlichtes Gespräch ermöglicht vielleicht einen Einblick in die Einstellung der Polizei hinsichtlich der Behandlung von Oury. So telefonierten unmittelbar nach dem Brand zwei Polizisten des Reviers miteinander. Polizist Nummer 1 fragt nach ob „er sich aufgehängt“ habe (die Rede ist von Jalloh), der andere antwortet: „Ne da brennt´s“, woraufhin der erste nochmal nachfragte „wieso?“. Polizist Nummer 2 konnte die Frage nicht beantwortet, woraufhin der erste antwortete „Ja, fast hätte ich gesagt gut. Alles klar, schönes Wochenende, ciao ciao“. Bei diesem Mitschnitt ist es durchaus möglich herauszuhören, wie sehr den beiden Herrschaften die Unversehrtheit Ourys am Herzen lag. Doch alle Verschleierungstaktik der Polizei konnte die Unterstützer_innen nicht abhalten Demonstrationen zu organisieren wie etwa an Ourys erstem Todestag. Es folgte sogar eine Großdemonstration im April 2006, an der sich über 1000 Menschen beteiligten.
Spätere Ermittlungen über den Tod Oury Jallohs gestalteten sich sehr einseitig, Nachforschungen wurden lediglich unter der Annahme der Selbsttötung betrieben. Diese Annahme übernahm auch die Staatsanwaltschaft im ersten Prozess, der im Mai 2007 seinen Auftakt hatte, also zwei Jahre nach Ourys Tod.. Es herrschte ein großer Andrang von verschiedensten Antirassismus-Aktivisten, da der Fall und seine Ungereimtheiten in der Öffentlichkeit große Wellen schlugen; auch eine internationale Prozessbeobachterdelegation reiste nach Dessau, denn der Fall hatte selbst im Ausland Aufsehen erregt. Der Dienstgruppenleiter Andreas S. und der Beamte Hans-Ulrich M. wurden der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen beschuldigt. Beide Polizisten wiesen alle Schuld von sich. Hans-Ulrich M. wurde beschuldigt, das erst im Nachhinein aufgetauchte Feuerzeug (das übrigens keine DNA-Spuren von Oury aufwies), bei der Routinekontrolle übersehen zu haben und es Oury so ermöglich zu haben, sich selbst in Brand zu setzen.
Die Vorwürfe gegen Andreas S. stützen sich hauptsächlich auf die Aussagen der Beamtin Beate H. Beate H. hatte sich am Tag von Ourys Tod mit Andreas S. in dessen Büro befunden, das über eine Sprechanlage mit Ourys Zelle verbunden war. Sie gab zu Protokoll, dass aus der Anlage kurz vor 12 Uhr Bewegungen und Schreie des Oury Jallohs zu vernehmen waren; weiter sagte sie aus, dass Andreas S. darauf reagierte, indem er die Lautstärke der Anlage herunter drehte, um telefonieren zu können. Außerdem erinnerte sie sich daran, dass zwischen 12:04 und 12:09 aus der Zelle „plätschernde Geräusche“ zu vernehmen gewesen waren. S. behauptete, er hätte dies für einen Wasserrohrbruch gehalten. Beate H. belastete ihn allerdings weiter. Sie gab an, dass zur gleichen Zeit der Rauchmelder angeschlagen habe, den der Dienstgruppenleiter daraufhin ausschaltete. Dann intensivierten sich die Schreie Jallohs. Als der Rauchmelder ein zweites Mal reagierte und S. ihn abermals ausstellte, forderte H. ihn auf, nachzusehen was denn passiert sei. Nun schlug sogar der Rauchmelder im Lüftungssystem der Zellen an. S. ging nachsehen und H. blieb alleine im Raum zurück und hörte nun durch die Sprechanlage erstmals das Wort „Feuer“. Nach Auffassung der Anwältin Götz ist „H. die zentrale Zeugin schlechthin“. Doch Beate H. zog ihre Aussagen 2 Monate später weitestgehend zurück und verwickelte sich in Widersprüche. Bemerkenswert an dieser Vernehmung war, das ihre beiden beschuldigten Kollegen sowie deren Verteidiger im Raum anwesend waren, als sie zu ihren Aussagen Stellung bezog und sie schließlich widerrief. Gegen Beate H. wurde prompt ein Verfahren wegen Falschaussage eingeleitet, das ihre weitere Glaubwürdigkeit schwer beschädigte. Die Stimmung während des Prozesses war gespannt. Selbst der Richter, beklagte sich Mouktar Bah von der Initiative Oury Jalloh, verhielt sich nicht neutral und rief nach einer Störung im Gericht : “… Wir sind nicht in einer Bananenrepublik hier“. Auf der einen Seite fanden sich viele Unterstützer_innen Ourys, großenteils Flüchtlinge, aber auch Antirassismus-Aktivisten auf der Zuschauerseite ein. Auf der anderen Seite stand ein Großaufgebot an Polizisten, die ihren Aufgaben entsprechend eigentlich nur für einen sicheren Ablauf des Verfahrens sorgen sollten. Elliot Perkins, eine Prozessbeobachterin der internationalen Delegation schilderte später aber ihren Eindruck vom Prozess mit folgenden Worten: „In einem Moment, als Ulrich M. (der Polizist, der das vermeintlich entscheidende Feuerzeug übersehen haben soll) den Gerichtssaal verließ und von einer Vielzahl seiner uniformierten Kollegen herangewunken wurde, die den Hintereingang des Gerichts bewachten, hatte man den Eindruck, es mit einer Fußballmannschaft bei einem Heimspiel zu tun zu haben.“ Sie nannte es außerdem „offensichtlich, dass die Anzahl der anwesenden Polizeibeamten eine Reaktion darauf war, dass die Organisation Polizei als Ganzes angeklagt war“. Es war an einer Stelle sogar möglich, dass einer der Angeklagten während einer Verhandlungspause mit seinen Kollegen plauderte, die danach unter Eid aussagen mussten. Dass Polizisten ein gewisser „Korpsgeist“ verbindet, ist nicht überraschend, anders lässt sich das Verhältnis zwischen angezeigten und verurteilten Polizisten nicht erklären. Dies sah sogar der überforderte Richter Manfred Steinhoff ähnlich. Er beschwerte sich über die „Falschaussagen der Beamten“, die „bedenkenlos und grottendämlich“ gewesen seien. Ihm blieb aber nach sechzig Prozesstagen aufgrund der Beweislage nicht anderes übrig als ein Freispruch, auch wenn das seiner Meinung nach „ mit Rechtsstaat nicht mehr zu tun“ hatte.
Doch die Initiative Oury Jalloh wollte sich mit einem Freispruch nicht abfinden und stieß damit in Dessau auf offene Anfeindungen der Polizei und Bevölkerung. Sie wurden des öfteren als „ Affen“ und „Neger“ beschimpft, dazu kamen sogar tätliche Angriffe auf die Unterstützer_innen. Sie ließen sich dennoch nicht davon abhalten ein neues Verfahren zu fordern. Ihre Kritik am Verfahren stützte sich unter anderem auf „wesentliche Lücken in der Beweisführung“ und darauf, dass der Prozess mehr Fragen aufgeworfen hatte als er beantworten konnte. So wurde bei einer zweiten Obduktion des Leichnams per Röntgenaufnahme festgestellt, dass Ourys Nase gebrochen war. Bei der ersten Obduktion war eine Röntgenaufnahme von der Staatsanwaltschaft noch abgelehnt worden. Wie war es dazu gekommen? Die einzigen Personen, die eine Aussage machen könnten, sind Polizisten. Das wenige Ermittlungsmaterial, das etwas beweisen könnte, befindet sich bei der Polizei. Ein heikles Detail, das während des Prozesses zu Tage kam, sind die verschwundenen Videoaufnahmen der Spurensicherung, die von einer anderen Polizeistation ausging. Die Polizisten des Nachbarreviers waren zur Spurensicherung mit einer Videokamera ausgerüstet, doch das Band reisst genau in dem Moment ab, in dem in die Zelle gefilmt wird. Dies wurde mit einem technischen Problem begründet. Ein seltsamer Zufall, noch seltsamer wird das ganze dadurch, dass der mit der Kameraführung beauftragte Polizist noch am selben Tag wegen einer Allergie für zwei Monate krankgeschrieben wurde. Und als gäbe es nicht schon genug ominöse Zwischenfälle in diesem Fall, wurde auch noch bekannt, dass es laut der ersten Aussage von Beate H. unangekündigte Zellenkontrollen gegeben habe, die nicht im Gewahrsamsbuch festgehalten worden waren. Sie hörte gegen 11:30 einen Schlüssel im Schloss sowie ein kurzes Gespräch zwischen Oury Jalloh und den kontrollierenden Beamten. Danach, so Beate S., sei Oury sehr aufgeregt gewesen.
Um den Fall noch einmal zu rekapitulieren: Am 8. Januar 2005 stirbt ein Asylbewerber in den Händen der Polizei. Die Spurensicherung ist lückenhaft, ein Band reisst wegen „technischen Problemen“ ab. Bei der ersten Obduktion wird auf eine Röntgenaufnahme verzichtet; bei der zweiten Obduktion beweist die Röntgenaufnahme, dass Oury eine gebrochene Nase hatte. Oury ist gefesselt, er liegt auf einer feuerfesten Matratze, dennoch ist er verbrannt. Es geschehen unangemeldete und nicht aufgezeichnete Kontrollgänge, die Oury nervös machen. Eine nicht identifizierte Flüssigkeit befand sich am Zellenboden. Der Feueralarm wird zweimal ausgeschaltet, bevor jemand nachsehen geht. Bis auf eine Zeugin herrscht bei der Polizei kollektive Amnesie. Die einzige Zeugin, die sich am Anfang des Verfahrens nicht dem Korpsgeist unterwirft und belastende Aussagenmacht, wird offensichtlich unter Druck gesetzt, widerruft ihre Aussage und verliert dadurch ihre Glaubwürdigkeit. Vor Gericht unterstellt schließlich sogar der Richter der Polizei öffentlich, durch ihren Korpsgeist das Verfahren zu sabotieren und den Rechtsstaat auszuhebeln. Aus einem Mangel an Beweisen werden die zwei angeklagten Polizeibeamten freigesprochen.
Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Trotz der Macht der Gegenspieler ließ sich die Initiative Oury Yallloh nicht einschüchtern. Es wurde ein neuer Prozess durchgesetzt, er am 12. Januar 2012 in Magdeburg begann. Der Fall Oury Jalloh wurde von vielen verschiedenen Aktivist_innen aufgegriffen. Ihre Parole „Oury Jalloh, das war Mord!“ wurde vor Gericht erstritten und darf als Ausdruck der Meinungsfreiheit legal verwendet werden. Der Prozess wurde von einer rund 200-köpfigen Demonstration begleitet. Bei dieser Demonstration kam es zu Gewaltexzessen seitens der Polizei, mehrere Aktivisten mussten nach tätlichen Angriffen der Beamten ins Krankenhaus gebracht werden, unter ihnen auch der Carl-von-Ossietzky Medaillenträger Mouctar Bah. Doch auch das konnte die Aktivisten nicht unterdrücken. So besetzten einen Monat später 30 friedliche Aktivisten das Dessauer Rathaus und forderten die Herausgabe der Polizeivideos von 7.1.2012. Der Prozess dauerte fast elf Monate und am 13. Dezember 2013 wurde das Urteil verlesen. Der Angeklagte Andreas S. wurde der fahrlässigen Tötung schuldig befunden. Er wurde zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt. Zwei Menschen sterben unter ungeklärten Umständen in den Händen der Polizei. Der eine stirbt an den Folgen eines Schädelbasisbruchs während der andere mit einem ungeklärten Nasenbeinbruch verbrennt. Der Dienstgruppenleiter muss eine Geldstrafe zahlen und bleibt weiter Polizeibeamter. Das ist eine wahre Geschichte aus Deutschland.
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Ein skifahrender Engelsritter

Flying Rainer

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